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”Kostenlose Community-Software für Verlage”

Eingestellt von Stephan Orgel am 07.01.2010 15:00 kein Kommentar Drucker-Optimiert
Gelesen: 606 · heute: 5

BildInterview mit Dirk Wellmann, Entwickler der auf Verlage spezialisierten Social-Network-Software JOBOG.

Der zunehmende Bezug von kostenlosen Informationen aus dem Internet erfordert bei klassischen Verlagen ein Umdenken in Bezug auf die Refinanzierung von hochqualitativem Journalismus. Die von Dirk Wellmann entwickelte Software will mit einer umfangreichen Social Community einen neuen Ansatz bieten, um Verlagen auch künftig guten Journalismus zu ermöglichen.

Das Besondere: JOBOG bietet die Software auf das jeweilige Medium gebrandet kostenlos zur Nutzung an und partizipiert prozentual an den Umsätzen des Netzwerks. Vertrieb, Betrieb und Support übernimmt das Partnerunternehmen, die Entwickler das Hosting und die technische Verfügbarkeit. Umsätze generiert das Netzwerk dann unter anderem aus Mitgliedsbeiträgen.

fachmedien.net: Eine Social-Network-Software speziell für Verlage? Was ist der Anlass? Wofür wird sie benötigt?

Dirk Wellmann: Schauen Sie, insgesamt konkurrieren mehr qualitativ hochwertige Medien um immer kleinere Werbetöpfe. Außer Werbung sind derzeit kaum nennenswerte alternative Einnahmemethoden geschaffen. Das ein oder andere Tagesmedium versucht, mit kostenpflichtigen einzelnen Artikeln oder mit e-Papern der Kostensituation im Verlagswesen Herr zu werden. Diese Methoden werden allerdings in Zukunft immer schwieriger am Markt platziert, da das Überangebot an freien Informationen, man denke an die aktive Blogger-Szene, eher noch zunimmt. Der Leser nimmt die Unterschiede zwischen hochqualitativer Berichterstattung und einem Blog nicht mehr wahr. Beschleunigt wird dieser Trend durch tagesaktuelle Medien, welche z.B. auf Twitter als “renommierte” Nachrichtenquelle vertrauen. Das war zuletzt während des Iran-Konflikts in heute-Sendungen für alle recht gut zu beobachten.

Die unterschiedlichen Interessen von Lesern kann die Presse insbesondere themen- oder regionalbezogen zusammenführen und entwickelt so Funktionen und Content, den die Leser für sich individuell anwenden können – und auch bereit sind, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Dabei erscheint es mir wichtig und attraktiv, dass eine solche Plattform ein Mitmach-Medium ist und weniger aus der passiven Aufnahme von Informationen besteht.

Es gibt nicht wenige Verlage, die ihr altes Geschäftsmodell, welches quasi über Jahrhunderte eine Gelddruckmaschine war, immer noch für das richtige im Internetzeitalter halten. In diesem Glauben verlieren sie Marktanteile an die elektronischen Medien. Während die Verlage derzeit eher dafür sind, den Trend zu stoppen, gehe ich auf sie zu und sage: Nutzt es und subventioniert quer in den hochqualitativen Journalismus vor Ort. Denn Medienvielfalt hat noch niemanden geschadet – zudem bin ich echter Fan von unterschiedlichen Meinungen.

fachmedien.net: Wie wir zum Beispiel im Interview mit Entertainment Media-Chef Peider Bach erfahren haben, entwickeln einige Verlage zur Zeit ihre eigenen Plattformen…

Dirk Wellmann: Ich habe bereits das Vergnügen gehabt direkt nach dem Interview mit Herrn Bach zu sprechen. Obwohl wir mit einer unserer Plattformen, zwo10.com, bereits Geschäftskontakte mit seinem Verlag unterhielten, kannte er uns nicht. Für den Entertainment Media Verlag ist das insofern ärgerlich, als dass er das Risiko der Investition in die Programmierung seiner Plattform, welcher in einem guten sechsstelligen Bereich liegt, vollumfänglich tragen muss. Hätte Herr Bach uns früher gekannt, dann wäre ihm das Risiko erspart geblieben und er könnte sich mit seinem Team voll auf die Vermarktung konzentrieren. Aber grundsätzlich unterstützen wir den Schritt – auch wenn wir hier vorerst nicht zusammen gekommen sind.

fachmedien.net: Was ist davon abgesehen der Vorteil Ihrer Software?

Dirk Wellmann: JOBOG positioniert sich in Fragment- und Spezial-Netzwerke, die entweder fachlich oder regional geprägt sind und von den hiesigen (Fach-)Medien betrieben werden. Die Software bietet dabei allerdings einen wesentlich größeren Funktionsumfang, da es in einem weiteren Spektrum angewandt wird. So sind beispielsweise Chats und Import von Fotos und YouTube und sevenload Videos in den Foren möglich, um nur mal einige wenige Features zu nennen.

Wesentliches Alleinstellungsmerkmal sind die abgeschlossenen Projekträume. In denen können kleinere Projekte abgewickelt werden. Gerade für das Businessumfeld ist das eine beliebte Option, da so viele Kleinunternehmer mit unterschiedlichen Spezialisierungen gemeinsam eine ähnliche Marktmacht aufbringen können wie ein weltweit tätiger Konzern. Im Gegensatz braucht der Kleinunternehmer in einem gesunden Netzwerk kein Personal, im Ausmaß seines scheinbar übermächtigen Konkurrenten – der Konzern, vorzuhalten. Er braucht sich letztendlich nur an den gemeinschaftlichen Projekten zu beteiligen.

fachmedien.net: Wie können die Verlage profitieren? Wie profitieren Sie selbst?

Dirk Wellmann: JOBOG macht aus hochwertigen Medieninhalten lukrative Informations- und Kontaktnetzwerke mit kapitalisierbarem Kundennutzen. Bisher haben sich Medienkonzerne immer mit Kapital an Social-Networks beteiligt, um diese schließlich mit der Medien-/Marktmacht aufzubauen. Diese Prozedur kehren wir um und investieren mit der Social-Network Software in die Online Bemühungen des Medienunternehmens ohne dabei als eigene Marke aufzutreten. Schließlich wird die Markt- und Medienmacht des Unternehmens genutzt um das Netzwerk aufzubauen. Letztendlich ist der größte Vorteil, dass weder dem Verlag, noch uns ein Risiko entsteht.

Wir profitieren von einer solchen Kooperation, in dem wir dort hingehen, wo der User bereits ist. Nicht selten scheitern Communities daran, dass sie die kritische Masse an Usern nicht zusammen bekommen und so ganz langsam einschlummern. Dieses Risiko ist mit entsprechenden Medienpartnern weitgehend beherrschbar.

fachmedien.net: Wie sieht die Weiterentwicklung aus?

Dirk Wellmann: Also, wir haben im nächsten Jahr schon einiges vor. Zum einen möchten wir gerne einen Kapitalgeber finden, der sich in den nächsten Jahren mit JOBOG engagieren will. Nachdem wir nun aus Eigenmitteln die Software bis ins finale Release geführt haben und zwei Anwendungen, myper.com und zwo10.com, bereits laufen, werden wir eine der beiden Plattformen an dem ein oder anderen Award teilnehmen lassen. Bereits zu Beginn des Jahres wird außerdem die mobile Version fertig und bei myper und zwo10 integriert. Des Weiteren ist noch eine App für das iPhone zu Mitte des Jahres geplant. Insgesamt möchte ich die Plattformen etwas offener gestalten. Der User kann künftig selbst entscheiden, welche Daten er außerhalb der Plattform zeigen will. Last but not least soll unser Buch “Die Netzwerkfibel”, die in den letzten Monaten sträflich vernachlässigt wurde, endlich auf den Markt. Wir wollen unser Angebot noch attraktiver für die Verlage machen und bis zu vier neue Medien in das Portfolio aufnehmen.

fachmedien.net: Sogenannte “Webinare” sind zur Zeit ein beliebtes Thema bei den Verlagen. Gibt es die Möglichkeit, Online-Seminare in die Community einzubinden?

Dirk Wellmann: Unsere geschlossenen Projektgruppen werden dafür bereits heute recht rege genutzt. In diese haben nur die vom “Projektleiter” eingeladenen Mitglieder Zutritt. Neben einem kleinen Forum können auch Dateien, Termine und Aufgaben sowie Links hinterlegt werden. Grundsätzlich lassen sich also die Projektgruppen ganz vorzüglich zu diesem Zweck nutzen. Das Erstaunliche ist, dass sich die User diesen Nutzen selbst hergeleitet haben. Denn vorgesehen waren die Projekträume zunächst für etwas ganz anderes. Erstaunlich und eine Dynamik, die uns selbst positiv überrascht hat.

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Schlagworte: Community, Fachverlage, Interview, jobog, Social Networks, Software, Verlag

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